Die Gemeinde Rohr, so wie wir sie heute kennen, ist 1978
durch die Gemeindegebietsreform entstanden. Damals hat
man beschlossen, dass fortan die selbstständigen Gemeinden
Gustenfelden, Prünst, Regelsbach und Rohr zur Gemeinde
Rohr werden sollen. Seitdem hat sich viel getan, damit die
Ortsteile zusammenwachsen: Kläranlagen wurden gebaut,
die Grundschule erweitert, Feuerwehrhäuser vergrößert oder
komplett neu gebaut, die Kanalisation und die Wasserversor
gung wurden modernisiert, Straßen gebaut, Wohngebiete
ausgewiesen, ein Gewerbegebiet geschaffen. Wichtig sind
auch die Modernisierungen der Dörfer im Zuge der Dorfer
neuerung.
Zum ersten Mal tritt das Gebiet um die heutige Gemeinde
Rohr offiziell in einer Urkunde aus dem 11. Jahrhundert in
der Weltgeschichte auf – wohl eine Abschrift eines Textes
aus der Zeit um 800 –, die die Grenzen der
„Mark des hei
ligen Emmeram“
beschreibt und deren Mittelpunkt Rohr
mit seiner Kirche war.
„Und auch wenn die meisten Vorgänge im
Dunklen bleiben müssen, verfügt die Rohrer Ortsgeschichte mit
der Beschreibung der Mark über eine außergewöhnliche schrift
liche Quelle aus demMittelalter. Es ist eine der frühesten Grenz
beschreibungen im heutigen Bayern – durchaus etwas, auf das
man in Rohr und Umgebung zu Recht stolz sein darf!“
(Martin
Schieber, ROHR – Aus der Geschichte einer Gemeinde im
Herzen Mittelfranken, S. 25.)
Schon viel, viel früher (Mittlere Steinzeit, 8000-4000 v. Chr.)
haben hier jedoch wohl schon Menschen gesiedelt. Darauf
deuten
steinzeitlicheWerkzeuge
hin, die man in der Nähe
von Leuzdorf und Kottensdorf gefunden hat. Gesichert
ist allerdings nichts und auch nach der Beschreibung der
Mark des Klosters St. Emmeram sind bis ins 15. Jahrhundert
hinein nur
spärliche schriftliche Zeugnisse
über das Leben
auf dem heutigen Gemeindegebiet überliefert.
Gustenfelden:
erste Erwähnung 1295 (im Folgenden wer
den nur noch die Jahreszahlen genannt); in einem Testa
ment des Nürnberger Bürgers Hermann von Stein. Der Ort
dürfte etwa im 10. Jahrhundert entstanden sein. Der Name
bezieht sich auf einen Mann mit Namen Justinus.
Hengdorf:
1272; der Adlige Albrecht Rindsmaul verkauft
seine Besitztümer an die Nürnberger Familie Nützel. Heng
dorf dürfte im 11./12. Jahrhundert im Zuge des Landausbaus
entstanden sein.
Kottensdorf:
1313; Ramung von Kammerstein verleiht
verschiedene Güter dort. Ebenso wie Hengdorf dürfte auch
Kottensdorf im Zuge des Landausbaus im 11./12. Jahrhundert
gegründet worden sein. Der Name Chotan ist slawischen
Ursprungs und deutet auf die Ansiedlung von Slawen hin.
Leitelshof:
1287; Heinrich Vorchtel und Otto Tokler verkau
fen ihre Besitztümer an den Deutschen Orden.
Leuzdorf:
1266; Ramung von Kammerstein stiftet ein Fisch
wasser an das Kloster Heilsbronn. Auch Leuzdorf ist wohl
im Zuge des Landausbaus im 11./12. Jahrhundert entstan
den.
Von steinzeitlichen Werkzeugen, einer Grenzbeschreibung,
Adligen, einem Brand und vier Gemeinden
Zurück in die Vergangenheit.
Wie die Bauern früher gelebt
und gearbeitet haben, lässt dieses
Gebäude in Nemsdorf erahnen.
(Fotografie aus dem
Fotowettbewerb der Gemeinde
Rohr, Fotografin Irmgard Lösel)
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