V O N D E R G E S C H I C H T E I
N D I E G E G E N WA R T
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Ein Meer von Steinen, ein Ort in stiller
Würde inmitten von Wohnhäusern, das
ist der Judenfriedhof. Mit der Nieder-
schrift über den Kauf eines Grundstücks
durch Jacob aus Roth für eine jüdische
Begräbnisstätte begann 1564 die fast
400-jährige belegbare Geschichte der
Georgensgmünder Juden. Sie sollte bis
1938 dauern, als die letzten Juden ihre
Heimatgemeinde verlassen mussten.
Erhalten geblieben ist eines der bedeu-
tendsten jüdischen Ensembles in Bayern
mit Synagoge und Friedhof.
Georgensgmünd war eine der Gemein-
den, in denen sich Juden nach den Ver-
treibungen aus den Reichsstädten nie-
derließen. Als Sitz des Verbandsfriedhofs
für Schwabach, Roth, Windsbach und
weitere umliegende Gemeinden hatte
der Ort eine zentrale Bedeutung in der
Region.
Mit fast 1800 Grabsteinen ist er einer
der weitläufigsten und ältesten in Bayern.
Das Taharahaus am Eingang stammt aus
dem Jahr 1723 und ist eines der frühes-
ten erhaltenen jüdischen Leichenwasch-
häuser in Bayern. Die ehemalige Synago-
ge wurde 1734 eingeweiht. Im Inneren
sind Teile der originalen Wandmalerei
freigelegt. Sie wird dem bekannten pol-
nischen Maler Elieser Sussmann zuge-
schrieben. Sehenswert sind auch die bei-
den Ritualbäder, die Mikwen. Als Teil der
Museumslandschaft im Landkreis gibt die
Synagoge Einblick in Leben und Glauben
der fränkischen Landjuden.
Über Jahrhunderte lebten Gmünder
Juden von Hausierhandel, als Vieh-
Gewürz- oder Stoffhändler oder als
Pfandleiher. Um 1630 war die jüdische
Gemeinschaft auf fast 40 Prozent der
Haushalte angewachsen. Ihre wirtschaft-
liche und gesellschaftliche Situation bes-
serte sich jedoch erst ab Mitte des 19.
Jahrhunderts, wie die Reihe von Bürger-
häusern, errichtet von Gmünder Juden,
in der heutigen Bahnhofstraße zeigt. Sie
gewannen an Ansehen wie der jüdische
Kaufmann Josef Welsch, der 1875 die
Initiative zur Gründung einer Freiwilligen
Feuerwehr ergriff und zu deren erstem
Vorsitzenden gewählt wurde. Oder der
jüdische Sanitätsrat und Sanatoriums-
gründer Dr. Heinrich Mehler, an dessen
Wirken sich die Gmünder heute noch
dankbar erinnern. Trotzdem zog es im-
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mer mehr jüdische Familien aus den
Landgemeinden in die Städte. 1900 leb-
ten 78 Juden in Georgensgmünd, 1930
waren es noch 44. Bis Ende des Jahres
1938 mussten die letzten der in Gmünd
verbliebenen Juden die Gemeinde verlas-
sen. Wenigen gelang die Auswanderung,
andere kamen in Lagern um oder sind
für immer verschollen. Ein Gedenkstein
vor der Synagoge erinnert an die Opfer
der NS- Zeit. Die Synagoge war an den
benachbarten Bäcker verkauft und wur-
de 1988 durch die Gemeinde erworben.
Friedhof und Synagoge blieben erhalten
als eindrucksvolles Zeugnis für Jahrhun-
derte jüdischen Lebens in der Region.
Der Spruch über dem Eingang der Synagoge lautet: „Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit“
Kartusche mit Bibelvers über Almosenbüchse am Eingang