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Die Stunde der Heimatvereine
Identitätsstiftendes Ehrenamt
Die Heimatvereine übernahmen an Stelle der feh-
lenden Kulturämter ehrenamtlich die Brauchtums-
pflege, kulturelle Angebote, Ortsverschönerungen
und vieles weitere, was von den etablierten Verei-
nen nicht abgedeckt werden konnte. Oft gaben die-
se Vereinsgründungen aus den 1970er Jahren der
Bevölkerung einen Teil des durch die Gebietsreform
verlorenen Selbstbewusstseins zurück. Man konnte
sich wieder mit seiner Ortschaft, mit eigenen The-
men und Bedürfnissen befassen. Zahlreiche Initiati-
ven wurden ins Leben gerufen, neue Ideen entstan-
den und die Lücken im dörflichen Leben wurden
geschlossen. So entstand im gesamten Landkreis
ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen mit
unterschiedlichster Ausrichtung und Bedeutung.
Die Tradition der Zelt- und Wirtshauskirchweihen
blieb von den Reformen unberührt. Die Kirchweih
ist auch heute noch der unbestrittene Höhepunkt
im Gemeindeleben und wird in so gut wie jedem
Ort im Landkreis gefeiert. Dazu gehören typische,
mittelfränkische Bräuche wie der Betzentanz. Da-
bei tanzen Kärwabuam und Kärwamadla um den
Kärwabaum. Die Tänzer geben während des Dre-
hers oder Walzers einen Blumenstrauß von Paar
zu Paar, bis abrupt die Musik abbricht. Nun hat der
Kärwabua, der den Strauß hält, ein Kärwa-Liedla zu
singen. Setzt die Musik wieder ein, wird der Strauß
weitergegeben. Irgendwann klingelt schließlich der
vorab eingestellte Wecker und derjenige, der den
Strauß gerade hält, ist nun stolzer Gewinner des
Betzen, eines Schafes. In einigen Orten ist es auch
noch üblich, die Kärwa in einem Sarg (meist ist das
eine große Holzkiste) zu beerdigen oder die Kärwa-
sau (einen mit Ruß verschmierten Kärwabua) am
Ende des Festes durchs Dorf zu treiben.
Die Stunde der Heimatvereine
Seit dem Jahr 1972 haben sich die Strukturen im
Landkreis Fürth wesentlich verändert. Die Gemein-
den des Knoblauchlandes im Norden von Fürth und
Nürnberg haben den Landkreis Fürth verlassen.
Als Ausgleich kamen die Stadt Stein und die Ge-
meinde Wilhermsdorf zum Landkreis Fürth. Nach
Abschluss der Gebietsreform blieben von vormals
etwa 30 eigenständigen Gemeinden noch 14 üb-
rig. Alle anderen hatten ihre Selbstverwaltung und
damit wichtige örtliche Strukturen verloren. So
entstanden Lücken, die es wieder zu füllen galt.
Im Gegensatz zu dem meist regen Vereinsleben in
den größeren Gemeinden gab es in den kleinen oft
nur die Freiwilligen Feuerwehren und Gesangsver-
eine. Der Wunsch nach einem breiteren, kulturel-
len Angebot wurde im Landkreis immer stärker.
Kulturämter, die auf diese Bedürfnisse reagieren
hätten können, gab es aber nur in den Städten.
Der damalige Landrat Dr. Dietrich Sommerschuh,
der ehemalige Kreisheimatpfleger Helmut Mahr
und die Bürgermeister erkann-
ten diese Problematik.
Mit viel Überzeugungs-
kraft konnten sie die
Wiederbelebung und
Neugründung zahl-
reicher Heimatvereine,
Ortsvereine,
Theater-
gruppen,
Musikvereine
und anderer Vereine
anregen. Bis dahin gab
es nur in Cadolzburg
und in Langen-
zenn Heimat-
vereine.




