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Gmünder Schulkinder haben es gut: Hal-
lenbad und Sportplätze liegen direkt vor
der Haustür, zum Bahnhof und zur Bus-
haltestelle sind es nur wenige Gehminu-
ten. Dort, wo heute rund 400 Mädchen
und Buben lernen, stand bis zum Ende
der 1950er-Jahre eine Lungenheilstätte.
Das Sanatorium war 1912 eröffnet wor-
den. Gründer war der Georgensgmün-
der Arzt und Ehrenbürger Dr. Heinrich
Mehler. Ihm zu Ehren trägt die Schule
seit 1981 seinen Namen.
Der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfa-
milie wurde 1859 in Emmerich im Rhein-
land geboren. Ab 1887 war er prakti-
scher Arzt und erster Arzt des kleinen
Krankenhauses in Georgensgmünd. Das
segensreiche Engagement des jungen
Arztes galt vor allem dem Kampf gegen
die stark verbreitete Lungentuberkulo-
se. 1909 gründete der den „Verein zur
Bekämpfung der Tuberkulose“ und initi-
ierte eine Fürsorgestation. Hunderte von
Familien wurden betreut, bekamen im
Bedarfsfall auch Kleidung und Nahrungs-
mittel. Die Räume im Krankenhaus und
die Liegehalle reichten bald nicht mehr
aus und 1912 konnte schließlich das neu
gebaute Sanatorium feierlich eröffnet
werden. Das vorbildlich geführte und
nahezu autark arbeitende Haus für 50
Patienten verfügte auch über eine eigene
Hausapotheke, einen großen Garten mit
Gewächshäusern und einem Raum für
Operationen. Sogar ein landwirtschaftli-
cher Betrieb gehörte später zur Einrich-
tung zur Versorgung der Kranken mit
K I N D E R , J U G E N D , B I L D U N G
frischen Produkten. Strom produzier-
te man mit der Wasserkraft der nahen
Mühle an der Schwäbischen Rezat. In den
beiden Weltkriegen diente die Heilstätte
als Lazarett. Die Pflege der Patienten lag
bis 1948 in den Händen von Neuendet-
telsauer Diakonieschwestern. Heinrich
Mehler starb im April 1926. Der mit ei-
ner Christin verheiratete Jude wie auch
später seine Frau wurde in einem eigens
errichteten Mausoleum auf dem Sanato-
riumsgelände bestattet. Leiter waren nun
Dr. Karl Wisbacher und dessen Assistent
Dr. Ernst Rupprecht. Das Vermögen des
kinderlosen Ehepaars ging an den Verein
zur Bekämpfung der Tuberkulose.
1957 endete die Geschichte des Sa-
natoriums, der Verein veräußerte das
Hauptgebäude mit dem Grundbesitz an
die Gemeinde, die dort 1961 die Schule
errichten ließ.
K I
N D E R , J U G E N D , B I L D U N G
Mausoleum Dr. Mehler
Inschrift über der Tür
„Ich werde nicht ganz sterben“
Dr. Heinrich Mehler