Informationsbroschüre Georgensgmünd - page 69

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Am 30. September 1849 fuhr der ers-
te Zug der Ludwigs- Nord- Südbahn in
den Bahnhof von Georgensgmünd ein
und schloss damit die etwas über 1020
Einwohner an die „große Welt“ an. Die
Eisenbahn machte Gmünd attraktiv für
Gewerbe, Handel und für die Landwirt-
schaft. Auf beiden Seiten entlang der
fast noch unbesiedelten Bahnhofstraße
entstanden ab der Mitte des 19. Jahr-
hunderts Bürgerhäuser und Geschäfte,
Friedrichsgmünd, zwischen Fränkischer
Rezat und Bahnhof gelegen, wuchs zu
einem geschäftigen Ortsteil heran. Ein
Relikt aus dieser Zeit existiert heute
noch: die Güterhalle. Sie wurde nach den
Plänen von Friedrich Bürklein gebaut,
dem Architekten des Maximilianeums in
München.
1872 wurde die Vizinalbahn zwischen
Georgensgmünd und Spalt eröffnet als
wichtige Verbindung des umliegenden
Anbaugebiets des „Grünen Golds“ mit
den Hopfenmärkten in Nürnberg und
München. Auf ihr verkehrte der „Spalter
Bockl“, wie die Gmünder und Spalter
liebevoll die charakteristische Dampflo-
komotive der Baureihe 98307 nannten.
Unzählige Hopfenzupfer, die aus der
ganzen Region mit dem Zug nach Spalt
zur Hopfenernte kamen, wurden von
„ihren“ Bauern am Bahnhof in Gmünd
abgeholt. Die zunehmende Motorisie-
rung brachte das Aus für die Nebenbahn
und 1969 wurde der Personenverkehr
ganz eingestellt, 1995 dann auch der
Güterbedarfsverkehr. Heute verläuft auf
der Trasse der Planetenweg nach Spalt
mit der Darstellung der Planeten im
Maßstab 1:1 Milliarde.
Der Hopfenanbau im Gemeindegebiet
ist seit dem späten 16. Jahrhundert be-
legt, aber erst im 19. Jahrhundert wurde
er eine der wichtigsten Erwerbsquel-
len. Auszeichnungen und Medaillen auf
Ausstellungen bezeugen die besondere
Güte des Produkts. . Als Hopfen- und
Viehhändler spielten die Juden im Ort
eine wichtige Rolle. Zur Hopfenernte im
Herbst waren ganze Dörfer erfüllt vom
würzigen Duft der Dolden, die im „Hop-
fengarten“ mit der Hand gezupft wurden.
Vor allem Hauslach entwickelte sich zum
Hopfenbauerndorf. Noch heute markie-
ren die hohen Dächer der Hopfenbau-
ernhäuser mit den Lüftungsgauben die
Dörfer rings um den Hauptort. Hopfen-
hallen wurden gebaut zum Wiegen, Ver-
packen und Siegeln des Hopfens. Hop-
fenhändler siedelten sich in Gmünd an.
L E B E N U N D A R B E I T E N
Das lustige Treiben der „Hopfenbloder“
und das harte Tagwerk der Bauern sind
heute längst Vergangenheit. Übrig geblie-
ben sind nur wenige Hopfenbauern in
der Gemeinde.
Mit der Ankunft der Eisenbahn in der
Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte
sich die Wirtschaft und damit der Ort.
An der Bahn siedelten sich erste indus-
trielle Betriebe an; unter anderem die
Schatullenfabrik Schaller. Sie war aus der
„Unteren Papiermühle“ hervorgegangen
und stellte gedrechselte Holzschatullen
her. Die auf Hochglanz polierten Holz-
kästchen wurde in die ganze Welt expor-
tiert.
L E B E N U N D A R B E I T E N
Bahnhof Georgensgmünd
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