An Stelle des mittelalterlichen Propsteigebäudes des Augu-
stiner-Chorherrenstifts aus dem 14. Jahrhundert entstand
1734 das neue
Amtshaus
nach den Plänen des berühmten
Baumeisters Balthasar Neumann. Von seiner Vollendung
bis zum Jahr 1804 diente das Gebäude als Amtssitz und
Wohnung des fürstbischöflichen Amtsverwalters. Teile des
Amtshauses wurden als Archiv der Klosterverwaltung
genutzt. Ab 1804 diente das Amtshaus als Rentamt, der
Finanzbehörde des Marktes. 1928 wurde das Finanzamt
Neunkirchen geschlossen.
Der
Zehntspeicher
aus dem 15. Jahrhundert diente der
Lagerung des Zehnt, den die Bauern an das Kloster abzuge-
ben hatten. Der Zehnt war eine ca. zehnprozentige traditi-
onelle Steuer in Form von Geld oder Naturalien an die Kir-
che. Das Erdgeschoss des liebevoll renovierten Speichers
steht als Veranstaltungs- und Kulturraum zur Verfügung.
Der große Saal mit seiner gastronomischen Ausstattung ist
ein beliebter Veranstaltungsort für Feste jeglicher Art. Im
Obergeschoss des Speichers ist das Felix-Müller-Museum
untergebracht, das zahlreiche Werke des Künstlers zeigt.
Das sogenannte
Schafhaus
ist das wohl älteste Gebäude in
Neunkirchen am Brand und wurde vermutlich zwischen
1320 und 1350 erbaut. Das Schafhaus beherbergte den
Schafstall und die Wohnung des Schäfers. Es gehörte zum
Kloster, da das Recht der Schafhaltung diesem vorbehalten
war. Dieses Recht umfasste lange Zeit auch die Nutzung
der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Schafhut
nach der Ernte. Die Gemeinde erwarb 1755 das Schafhaus
und den klösterlichen Schafbetrieb.
Die erste
Synagoge in Ermreuth
wurde 1738 erbaut, wegen
Platznöten 1819 abgerissen und 1822 durch die größere
Synagoge an gleicher Stelle ersetzt. Ihre dunkelste Stunde
erlebte die Synagoge während des Nationalsozialismus.
Zwar konnte der Bau aufgrund seiner Lage in einem Wohn-
gebiet nicht in Brand gesetzt oder gesprengt werden,
jedoch wurde das Inventar geplündert und zerstört. Bis
Mitte der 1970er Jahre wurde das Gebäude als landwirt-
schaftliches Lager genutzt, bevor es in den Besitz der
Gemeinde überging. 1989 einigten sich der Landkreis und
der Markt auf die Erhaltung und Renovierung des ehe
maligen Gotteshauses. Nach umfassender Sanierung ab
1990 wurde die Synagoge 1994 erneut geweiht und als Haus
des Gebets, der Begegnung, der Kultur sowie als Museum
für jüdische Geschichte und Kultur in der Region der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Weder die Entstehung des Ortes noch des
Schlosses Erm-
reuth
sind urkundlich nachgewiesen. Während eines Bau-
ernaufstands 1525 wurde das Schloss niedergebrannt und
anschließend von den Besitzern, der einflussreichen Nürn-
berger Patrizierfamilie von Muffel wieder aufgebaut. Zwi-
schen dem 16. und 18. Jahrhundert wurde der heutige
Schlossbau um den Treppenturm erweitert und das Ober-
geschoss ausgebaut. Während des Nationalsozialismus
war die Kreisführerschule der NSDAP im Schloss unter
gebracht. Nach dem zweiten Weltkrieg diente es als
Wohnheim für Vertriebene und Flüchtlinge und später als
Altersheim des Roten Kreuzes. Ab 1978 nutzte die Wehr-
sportgruppe Hoffmann das Schloss als Hauptquartier,
bevor die Organisation 1980 verboten wurde.
Amtshaus
Tourismus, Freizeit und Kultur
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